HomepageDas Gen Z LabErst kommt das Fressen, aber dann direkt die Moral: Das Gehalt steht bei der Gen Z über allem

Erst kommt das Fressen, aber dann direkt die Moral: Das Gehalt steht bei der Gen Z über allem

  • Montag, 13. März 2023
  • Svenja Rausch

Der aktuelle Armutsbericht des Paritätischen Wohlfahrtsverbands zeigt, dass fast jede:r dritte Studierende in Deutschland unterhalb der Armutsgrenze lebt.

Zwei Menschen sitzen gemeinsam am Tisch und teilen sich eine Pizza

Der aktuelle Armutsbericht des Paritätischen Wohlfahrtsverbands zeigt, dass fast jede:r dritte Studierende in Deutschland unterhalb der Armutsgrenze lebt. Die anhaltende Inflation sowie steigende Mieten bei zu wenig bezahlbarem Wohnraum und die aktuelle Energiekrise tragen nicht zu einer Entschärfung bei. 

Tatsächlich erhält nur jede:r neunte der etwa drei Millionen Studierenden in Deutschland finanzielle Unterstützung durch das Bundesausbildungsförderungsgesetz (BAföG). Dieses Gesetz sollte eigentlich jeder und jedem ermöglichen, eine Ausbildung zu absolvieren, unabhängig von der sozioökonomischen Situation. Die gestiegenen Lebenshaltungskosten haben jedoch dazu geführt, dass viele Studierende mittlerweile sogar bis zu zwei Nebenjobs aufnehmen müssen, um über die Runden zu kommen. Oft arbeiten sie so viel, dass kaum noch Zeit zum Studieren bleibt bzw. das Studium darunter leidet.

JobTeaser Karrierebarometer Wunschfinanzierung Studierende

Ebenso erachten nur 42 Prozent der Studierenden Nebenjobs als gerechte Finanzierungsquelle, obwohl tatsächlich 66 Prozent ihr Studium auf diese Weise finanzieren. Nebenjobs (66%) und Unterstützung durch die Eltern (60%) sind die häufigsten Finanzierungsquellen für das Studium, gefolgt von Kindergeld (23%) und BAföG (15%). Andere Finanzierungsmöglichkeiten werden von jeweils nur jedem zehnten Studierenden oder weniger genutzt, darunter Stipendien (11%), Praktika (11%), Studienkredite (8%) oder Geldgeschenke (7%).

Auch Young Professionals, die gerade eben ins Arbeitsleben gestartet sind, haben häufig Schwierigkeiten, ihre Leben zu finanzieren, bewegen sich Einstiegsgehälter innerhalb diverser Branchen doch oftmals auf einem eher niedrigen Niveau, welches die hohen Miet- und Energiekosten nicht ausreichend zu decken vermag. 

JobTeaser Karrierebarometer Realfianzierung Studierende

Die Prioritäten ändern sich

Es verwundert also kaum, dass unser aktuelles Karrierebarometer zeigt, wie sehr sich die Prioritäten verschoben haben: Jede:r Zweite macht sich aktuell Sorgen, das eigene Leben nicht finanzieren zu können. In der Folge löst das Gehalt erstmals seit Beginn unserer Barometer-Umfragen im Jahr 2020 die Work-Life-Balance ab und stuft ihre Bedeutung auf Platz 2 herunter. Das Image des Unternehmens – also letztlich sein Employer Branding – rangiert bei der Suche nach einem passenden Arbeitgeber auf Platz 3. Young Talents priorisieren in der Krise vor allem anderen nun das Gehalt.

Wunsch vs. Realität

Das jüngste Karrierebarometer Young Talents von JobTeaser zeigt, dass Wunsch und Realität bezüglich einer Finanzierung des eigenen Studiums deutlich auseinander klaffen:

Laut der Studie glauben 57 Prozent der Studierenden, dass sie ihr Studium eher über BAföG und weniger über Unterstützung von ihren Eltern oder durch Nebenjobs finanzieren sollten. Dies entspricht ihrem Gerechtigkeitsempfinden. In der Realität finanziert jedoch nur ein Fünftel das Studium auf diese Weise, und das BAföG spielt eine deutlich geringere Rolle als die Bundesregierung mit der BAföG-Reform vorschlägt. 

Eine klare Aufforderung an Arbeitgeber

Es klafft eine deutliche Lücke zwischen der Wunschfinanzierung und der realen Finanzierung des Studiums der Young Talents. Arbeitgeber haben hier einen klaren Auftrag, zu unterstützen, aktiv gegenzusteuern und die Situation der Studierenden zu verbessern. Der Wunsch nach besser bezahlten Praktika beispielsweise ist bei weitem nicht neu. Trotz vorhandenem Mindestlohn kommt der Durchschnitt der Studierenden hier auf ein durchschnittliches Bruttogehalt von rund 1.071,07€ Euro (Quelle: Future Talents Report 2022). Dass dies in den meisten großen Städten und bei einer anhaltenden Inflation gerade so für die Miete und die Energiekosten reicht, ist kein Geheimnis. 

Der Mindestlohn gilt dabei auch lediglich für freiwillige Praktika, nicht aber für mehrwöchige oder -monatige Pflichtpraktika, die Studierende häufig absolvieren müssen und während derer sie sich zusätzlich um die Finanzierung ihrer Lebenshaltungskosten kümmern und Beiträge der Sozialversicherung oftmals selbst zahlen müssen. Eine gute Bezahlung ist hier nicht garantiert und hängt weiterhin vom Ermessen des Arbeitgebers ab.

Faire Bezahlung für gute Arbeit

Arbeitgeber sollten ihre Praktikant:innen angemessen entlohnen. Die Kenntnisse, die diese mitbringen, reichen häufig schon so weit, dass sie nach kurzer Einarbeitung durchaus wichtige Tasks übernehmen können, für die eine fest angestellte Person besser bezahlt würde.

Bezahlen Sie Praktikanten fair, zahlt dies zugleich auch auf mehrere Aspekte bezüglich Ihrer Wahrnehmung ein:

  • Das Image Ihres Unternehmens profitiert in positiver Art und Weise, da Sie als fairer Arbeitgeber wahrgenommen werden. Fairness ist der Gen Z bei der Wahl eines potentiellen Arbeitgebers enorm wichtig.
  • Die jungen Talente, die die letzten Jahre vor allem in den eigenen vier Wänden verbracht haben, benötigen dringend praktische Einblicke in Unternehmen. Wenn Sie Türen und Tore weit aufmachen, sich als fairer Arbeitgeber präsentieren und zeigen, was drin sein kann, überzeugen Sie unter Umständen sogar jetzt schon die eine oder andere schmerzlich vermisste Fachkraft für zukünftige Stellenausschreibungen von sich. 

Flexibel sein

Bei angebotenen Nebenjobs sollten Unternehmen und Personalverantwortliche darauf achten, dass diese flexibel sind. Ein Studium ist in der Regel sehr strikt durchgetaktet und neben dem Job gibt es vielerlei Verpflichtungen, die die Studierenden haben. Wenn möglich, bieten Sie also flexible Arbeitszeiten und Homeoffice-Tage an, die den Studierenden ermöglichen, sich trotz Job auch noch auf das eigentliche Studium konzentrieren zu können und es bestmöglich zu absolvieren. 

Fazit

Die Gen Z legt in unsicheren Zeiten erstmals mehr Wert auf das Gehalt als auf weiche Faktoren. Die Absicherung des eigenen Lebens ist zur Priorität Nummer 1 geworden. Geben Sie den jungen Talenten deshalb möglichst diese Sicherheit. Und zeigen Sie ihnen zudem, welche weiteren Tätigkeits- und Entwicklungsmöglichkeiten sich bei Ihnen bieten, indem Sie buchstäblich Ihre Tore öffnen. Bleiben Sie flexibel und vor allem: Bieten Sie eine faire Entlohnung, die Studierenden nicht in die Armut, sondern motivierend zu (mehr) Engagement treibt. Arbeitgeber, die dies im Blick haben und entsprechend reagieren, können nicht nur ihre interne und externe Wahrnehmung verbessern und damit selbst aktiv auf ihr Employer Branding einzahlen – sie legen auch den Grundstein für potenziell langfristige Beziehungen in Zeiten des weiterhin hohen und noch zunehmenden Fachkräftemangels.

Mehr Informationen zu den Wünschen und Herausforderungen der Generation Z finden Sie in unserem aktuellen Karrierebarometer Young Talents. Es steht für Sie zum Download bereit.

Jetzt das Karrierebarometer Young Talents downloaden!